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Der Männertraum: Mit 44 PS durch Europa – Teil 1

Die Ruhe trügt an diesem Samstagnachmittag in Hamburg-Winterhude. Während sich das Leben im anbahnenden Winter und der klaren Kälte in den wohltemperierten Cafés abspielt, läuft Peter Gebhard im ansonsten menschenleeren Programmkino „Magazin“ heiß. Der Perfektionist will nichts dem Zufall überlassen, arbeitet akribisch am optimalen Bild und Ton. Schließlich wird er in sechs Stunden im prall gefüllten Saal von einer fast unglaublichen Reise berichten. Von kuriosen Begegnungen, aufopfernder Gastfreundschaft, unfassbaren Lebensgeschichten und Todesangst an der norwegischen Grenze. Stets begleitet von seinem treuen Companion Erwin.

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Peter Gebhard, Baujahr 1959, und Erwin, Baujahr 1974 – diese beiden Protagonisten ziehen Zuschauer in ganz Deutschland in ihren Bann. Ersterer ist 1,90 Meter groß, das Gardemaß wird durch die schlanke Statur untermalt. Seine Lockenpracht vergangener Tage ist zwar längst einer Glatze gewichen, doch die durchdringenden braunen Augen versprühen noch immer jugendliche Abenteuerlust. Erwin ist minimal größer und von rundlicher Statur. Dennoch löst er durch sein Aussehen überall Begeisterung aus. Was an seinem gesunden Teint liegen mag – Erwin erstrahlt ganzjährlich in sattem rot – aber wahrscheinlich viel mehr am Kult-Status. Denn Erwin ist ein 44 PS starker Volkswagen T1, den der Volksmund nur „Bulli“ ruft. Und so wundert es nicht, dass Peter die gemeinsame Fahrt von Istanbul bis ans Nordkap auch einfach „Das große Bulli-Abenteuer“ nennt.

Noch fünf Stunden bis zur Hamburg-Premiere der multimedialen Show. Peter fühlt, wie eine Erkältung leise anklopft, doch er hält die Tür entschlossen zu. Fast täglich berichtet der gelernte Fotograf in einer anderen Stadt von seinen Erfahrungen, da bleibt keine Zeit zum krank werden. Eigentlich sucht er eine wärmende Suppe auf der Speisekarte des Café May. Alternativ müssen ein Stück Pflaumenkuchen und ein Cappuccino den Körper stärken. Die Vorstellung, später vor rund 300 Personen auf der Bühne zu stehen, macht den Mann mit dem schwarz-weißen Bulli-Pullover augenscheinlich nicht nervös. Auf den Felgen des aufgezeichneten Wagens findet man die Symbole Yin und Yang. Peter ruht in sich. Heute Abend ist der Mann, der im Gespräch ein Ur-Vertrauen ausstrahlt, wieder in seinem Element.

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Vom Altersheim in die albanischen Alpen

Auf der Suche nach der richtigen Berufsbezeichnung muss Peter nicht lange überlegen. Der Wahl-Paderborner nennt sich selbst einen modernen Geschichtenerzähler, der Beamer projiziert sein digitales Lagerfeuer auf den Bildschirm. Und es soll knistern: „Die Deutschen lieben Abenteuer, wollen aber keine Gefahr“, sagt der zweifache Vater. Auch deshalb sein Terminkalender prall gefüllt. Was vor über 30 Jahren mit einem Diaprojektor im DRK-Altersheim und sechs betagten Zuhörern als Student in Westfalen anfing, ist heute sein Job. Eine komische Wendung des Schicksals, empfand Peter Vorträge in der Schule und im Studium doch als „Horror“.

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Und die Zuschauer, ein bunt gemischtes Publikum aus jungen Abenteuerlustigen und älteren Besuchern, die man sich auch ohne große gedankliche Überwindung in einer Lufthansa-Maschine in Richtung Kanaren vorstellen könnte, wollen nicht nur Brot. Sie wollen Spiele. Also plant Peter seine Reisen so, dass sie möglichst viel Unterhaltungswert haben. Mit Erwins 44 PS schälte sich der hochgewachsene Mann von der türkischen Hauptstadt Istanbul in 99 Tagen durch 15 Länder bis zum hohen Norden. Durchquerte potenzielle Brandherde wie Albanien und Bosnien. Doch Gefahr? Fehlanzeige. In Griechenland ließ er gemeinsam mit technikbegeisterten Mönchen seine Drohne steigen, mit der Erwin oft wie ein Spielzeugauto wirkt. In den albanischen Alpen fanden Peter und sein Assistent Unterschlupf bei einem einfachen Bauern, dessen Tochter durch jahrelangen Konsum deutscher TV-Sender in Eigenregie die Sprache lernte. In Kroatien genoss er das selbstgemachte Pflaumeneis einer Österreicherin, die der Liebe wegen in ein verlassenes Bergdorf zog.

Wieso die Reise plötzlich richtig gefährlich wurde, woher die Reise-Leidenschaft von Peter Gebhard stammt und wieso der Abenteurer „kein Masochist“ ist, lest ihr im zweiten Teil.

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